War­um Design mehr als nur schön sein muss!

Sack­gas­se Nach­hal­tig­keit? Von wegen! War­um Design mehr als nur schön sein muss und Nud­ging in der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ar­beit so super ist.

Seit vie­len Jah­ren wer­de ich immer wie­der mit der­sel­ben, schein­bar ein­fa­chen Fra­ge kon­fron­tiert: Wie bewe­gen wir Men­schen dazu, nach­hal­ti­ger zu han­deln – ohne sie zu beleh­ren oder zu über­for­dern? Mei­ne Ant­wort: Nehmt euch viel Zeit für gute Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kon­zep­te und nutzt klu­ges Nudging!

Moral­keu­le ade – Anstup­sen ok

Nud­ging – zu Deutsch „Anstup­sen“ – ist ein Kon­zept aus der Ver­hal­tens­öko­no­mie, das dar­auf abzielt, Men­schen durch geziel­te, sub­ti­le Rei­ze zu einem gewünsch­ten Ver­hal­ten zu bewe­gen, ohne ihnen dabei ihre Wahl­frei­heit zu neh­men. Ver­steht mich nicht falsch! Ich bre­che hier kei­ne Lan­ze für Mani­pu­la­ti­on, son­dern viel­mehr wer­den durch Nud­ges kogni­ti­ve Pro­zes­se aus­ge­löst, die eben die Ent­schei­dung zum “nach­hal­ti­gen Tun” eher unter­stüt­zen. Dabei kann Kom­mu­ni­ka­ti­on und klu­ge Gestal­tung hel­fen? Ja! Und zwar dadurch, dass die nach­hal­ti­gen Optio­nen ein­fa­cher, attrak­ti­ver und intui­ti­ver ange­bo­ten werden.

Gera­de im Kon­text von Nach­hal­tig­keit kann Nud­ging Gro­ßes bewir­ken. Der “brei­te Wil­le” zum umwelt­freund­li­chem Han­deln ist inzwi­schen da, ‑nicht nur in den Öko-Bubbles- und trotz­dem schei­tern im All­tag vie­le (auch Du und ich, lie­be Leser:in) immer wie­der am inne­ren Schwei­ne­hund und an alten, schlech­ten Gewohn­hei­ten. Genau da setzt gutes Kom­mu­ni­ka­ti­ons­de­sign an: Wenn die umwelt­freund­li­che Opti­on die nahe­lie­gends­te ist, fällt die Ent­schei­dung ein­fach leich­ter. Wenn Kom­mu­ni­ka­ti­on also emo­tio­nal abholt statt bra­chi­al mit der Moral­keu­le zu mah­nen, ent­steht eine wert­vol­le Bin­dung, die Ver­än­de­rung ehr­lich antrei­ben kann. Daher bin ich der Mei­nung, dass nach­hal­ti­ge Mar­ken auf ange­neh­me Wei­se Ori­en­tie­rung bie­ten dürfen!

Bei­spie­le zum Staunen

Neu­gie­rig? Dann wer­den wir mal kon­kret!
Zum Ein­stieg ein häu­fig zitier­tes Bei­spiel: In der Kan­ti­ne XY steht ab Jah­res­mit­te der vega­ne Mit­tag­stel­ler stan­dard­mä­ßig als ers­te (!) Opti­on auf der Spei­se­kar­te  –  schwupp­di­wupp steigt der Absatz pflan­zen­ba­sier­ter Gerich­te bis Jah­res­en­de deutlich. 

Wei­ter in punk­to Ein­kaufs­ta­sche im Super­markt: Wird an der Kas­se nicht mehr stan­dard­mä­ßig gefragt: „Möch­ten Sie ein Sackerl ( eine Tüte;-)?“, son­dern wer­den die Kund:innen mit einer leicht ver­än­der­ten Fra­ge­stel­lung nur ein klei­nes biss­chen anders abge­holt, liegt der Fokus gleich ganz woan­ders: „Haben Sie eine Tasche dabei?“ …Sim­sa­la­bim 🙂

Und weil’s so schön ist, hier das drit­te Bei­spiel: In einer Mobi­li­täts-App für Rou­ten­pla­nung wird bei jeder Ver­bin­dung nicht nur die schnells­te, son­dern zusätz­lich die umwelt­freund­lichs­te Opti­on her­vor­ge­ho­ben – z. B. durch die Anzei­ge der ein­ge­spar­ten CO₂-Emis­sio­nen in grü­nen Zif­fern. Wer sieht, dass Bus & Bahn nur 6 Minu­ten län­ger dau­ern, aber deut­lich kli­ma­freund­li­cher sind, ent­schei­det sich häu­fi­ger bewusst für die Öffis und zwar nicht durch Zwang, son­dern durch trans­pa­ren­te, visu­el­le Ori­en­tie­rung. So leicht geht das!

Wenn Wor­te stup­sen, strei­cheln, kitzeln 

In der Mar­ken­kom­mu­ni­ka­ti­on funk­tio­niert Nud­ging eben­so effek­tiv. Die visu­el­le und sprach­li­che Gestal­tung von Infor­ma­tio­nen kann ent­schei­dend beein­flus­sen, wie wir Bot­schaf­ten auf­neh­men und was wir dar­aus machen. Ein Unter­neh­men, das sei­ne Nach­hal­tig­keits­zie­le nicht in nüch­ter­nen Zah­len kom­mu­ni­ziert, son­dern in Geschich­ten, Bil­dern und kla­ren, erreich­ba­ren Etap­pen, erzeugt ein Gefühl von Teil­ha­be und Mach­bar­keit. Wenn Men­schen spü­ren, dass ihre Ent­schei­dun­gen einen Unter­schied machen, steigt die Moti­va­ti­on – und damit auch das Verhalten.

Das Schö­ne an Nud­ging: Es baut auf psy­cho­lo­gi­sche Mecha­nis­men, die wir alle ken­nen – Rou­ti­ne, sozia­le Nor­men, visu­el­le Ori­en­tie­rung, Bedürf­nis nach Ein­fach­heit. Es begeg­net Men­schen dort, wo sie ste­hen, anstatt sie zu über­for­dern. In mei­ner Bera­tungs­pra­xis erle­be ich immer wie­der, wie sich durch klei­ne, geziel­te Ver­än­de­run­gen in Design oder Kom­mu­ni­ka­ti­on gute Effek­te erzie­len las­sen. Der Schlüs­sel liegt mei­nes Erach­tens in der Kom­bi­na­ti­on aus Daten­kennt­nis, Krea­ti­vi­tät und Empa­thie für die “Ziel­grup­pen”.

Selbst­ver­ständ­lich muss Nud­ging ver­ant­wor­tungs­voll ein­ge­setzt wer­den und Nach­hal­tig­keits-Mes­sa­ges dür­fen nicht zum Green­wa­shing-Fei­gen­blatt mutie­ren, die mit­tels schö­ner Bil­der inhalt­li­ches Brach­land kaschie­ren. Doch rich­tig ein­ge­setzt, kann Nud­ging ein kraft­vol­les Werk­zeug sein, um nach­hal­ti­ges Ver­hal­ten zur intui­ti­ven, nahe­lie­gen­den Ent­schei­dung zu machen – und damit zu einer “neu­en” Nor­ma­li­tät  (=Gewohn­heit) beitragen.

Ori­en­tie­rung tut gut

Für Mar­ken, die sich ernst­haft mit Nach­hal­tig­keit aus­ein­an­der­set­zen, liegt hier eine enor­me Chan­ce: Wer Men­schen dabei unter­stützt, gute Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, wird als rele­vant, glaub­wür­dig und zukunfts­fä­hig wahr­ge­nom­men. Gera­de in Zei­ten von Unsi­cher­heit und Kom­ple­xi­tät seh­nen sich Verbraucher:innen nach Ori­en­tie­rung – damit mei­ne ich nicht Per­fek­ti­on, son­dern Authen­ti­zi­tät und Klarheit.

Als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­ra­te­rin sehe ich mei­ne Auf­ga­be dar­in, Brü­cken zu bau­en – zwi­schen Absicht und Wir­kung, zwi­schen Stra­te­gie und All­tag der Ziel­grup­pen, biss­chen pathe­tisch gesagt: zwi­schen Mar­ke und Mensch. Nud­ging ist dabei kein Zau­ber­trick, son­dern ein stra­te­gi­scher Ansatz, der zeigt, dass nach­hal­ti­ge Kom­mu­ni­ka­ti­on wirk­sam sein kann, ohne laut zu schrei­en. Sie kann inspi­rie­ren und sie kann ver­än­dern – ganz ohne Zwang.

Wenn wir also begin­nen, nach­hal­ti­ge Ent­schei­dun­gen nicht nur zu for­dern, son­dern intui­tiv zu ermög­li­chen, ent­steht eine “stil­le” Revo­lu­ti­on – eine, die in jedem Design-Detail, jedem Satz und jeder Ent­schei­dung spür­bar wird. Es sind die­se fei­nen Impul­se, die den Unter­schied machen. Und genau hier beginnt die Kraft des Nud­gings. I love consulting!

Lust auf mehr? In mei­nen Pro­jek­ten beglei­te ich Mar­ken genau bei die­sem Wan­del – stra­te­gisch, krea­tiv und mit Haltung.

Bid­nach­weis: Pix­a­bay – TeeFarm

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